Kleine Stubenfliege (Fannia canicularis)

Aussehen

Die schlanke Fliege erreicht eine Länge von vier bis sechs Millimetern. Der Kopf der Männchen wird fast vollständig von den weißumrandeten Augen eingenommen, bei den Weibchen dagegen stoßen die Augen nicht aneinander. Der braungraue Brustbereich besitzt bei den Männchen drei schwarze Längsstreifen, bei den Weibchen ist diese Zeichnung viel undeutlicher.

Entwicklung

Die Weibchen legen hunderte, insgesamt bis zu 2.000 Eier. Die Eier, die lappenförmige Anhänge besitzen, werden in sehr feuchte, faulende Stoffe abgelegt, zum Beispiel feuchten Dung, Hundekot, Kuhfladen, Gülle, Fäkaliengruben, Küchenabfälle wie faulende Kartoffeln oder Rüben, Silage und Kompost, aber auch Biotonnen, Mülldeponien, Käse, Speck und Trockenfisch. Die Larven schlüpfen innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Die hellbraunen, flachen, bis zu sechs Millimeter langen Maden tragen auf jedem Körperring auf den Seiten und auf dem Rücken ein Paar mit Dörnchen besetzter fadenförmiger Körperanhänge. Diese Fortsätze, die auch bei den Puppen zu finden sind, ermöglichen ihnen die Fortbewegung in flüssigen Substanzen. Durch ihre Anhängsel können die Maden und die Puppen sofort von den glatten Maden und Puppen der Großen Stubenfliege (Musca domestica) unterschieden werden.
Die Larvenentwicklung beträgt sieben bis zehn Tage, die Puppenphase vier bis sechs Tage. Die gesamte Entwicklungsdauer der Kleinen Stubenfliege verläuft je nach Temperatur innerhalb 24 und 30 Tagen. Die Überwinterung erfolgt im Larven- oder Puppenstadium.

Verhalten

Die Fliegen der vermutlich weltweit verbreiteten Art haben eine Lebenserwartung von zwei bis drei Wochen. In Mitteleuropa können pro Jahr rund sieben Generationen entstehen. Sie halten sich oft auf Kot und Wirbeltierleichen auf und saugen daran. Wegen ihres Pendelns zwischen Kot und Lebensmitteln gilt die Art als möglicher Krankheitsüberträger.
Oktober kommt die Kleine Stubenfliege häufig in Gebäude und fällt hier durch ihren eigentümlichen, lautlosen Rundflug in der Zimmermitte auf, mit dem sie von der Decke herabhängende Gegenstände, besonders Lampen, umkreist. Dabei wechselt sie ruckartig die Flugrichtung. Es handelt sich hier um einen Patrouillenflug, mit dem die Männchen ihr Revier überwachen und gegebenenfalls Eindringlinge angreifen. Während kurzer Ruhepausen und in den Nachtstunden sitzen die Fliegen an diesen Gegenständen und hinterlassen dort kleine Kotflecken. Im Freien sind es in der Regel Baumkronen, die den Fliegen für ihre Schwarmtänze dienen.